Belastbarkeit des Fußbodens: Tragfähigkeit für ein Aquarium

Fußboden Tragfähigkeit für ein Aquarium: Bereits in unserem Artikel zur Berechnung des Gewichtes eins Aquariums, haben wir auf die Tragfähigkeit des Fußbodens hingewiesen. Hier kommt es auf die Statik an. Auch im Einrichtungsleitfaden, kann man über den Aufstellungsort einiges lesen. In diesem Artikel erläutern wir genauer, auf was man achten sollte, wenn es um die Belastbarkeit des Fußbodens geht und welche Maßnahmen eventuell Sinn machen um diese zu erhöhen.

 

Tragfähigkeit Aquarium

Wie sieht der gewöhnliche Fußbodenaufbau aus?

Schauen wir uns zuerst mal einen herkömmlichen Fußbodenaufbau an. Wir gehen hier von einem Massiv gebauten Haus oder einer Mietwohnung aus, welche neueren Baujahres ist. Natürlich muss man diesen individuell prüfen, denn es können vor allem in Sachen Dicke und Schichten erhebliche Unterschiede vorliegen. Dennoch sollte dies an Anhaltswerten dienen.

Auf einer massiven Betondecke wird im Regelfall die Verrohrung der Heizung und der Wasserrohre durchgeführt. Diese werden nicht in einer Betondecke eingelegt, sondern werden darauf montiert. Im Regelfall sind diese auch noch isoliert. Auf und um diese Rohre kommt dann die Isolierung des Bodens. Meist wird hier entweder Styropor oder Perlite genommen. Perlite überall da wo man Zwischenräume ausschütten muss. Auf diese Dämmschicht / Styroporschicht / Isolierschicht, welche bis zu 20 cm dick sein kann, kommt dann eine Folie und am Rad entlang ein Randstreifen aus Kunststoff / Schaumstoff. Darüber wird dann der Estrich ausgegossen, sofern es sich um einen Fließestrich handelt. Estriche gibt es in verschiedenen Arten und Zusammensetzungen. Neben dem Verbundestrich, gibt es auch noch den schwimmenden Estrich wie hier beschrieben. Beim Verbundestrich gibt es eine Verbindung zur eigentlichen tragenden Schicht. Beim schwimmenden Estrich gibt es diese nicht.

Betondecke Belastbarkeit

Zudem gibt es Zusammensetzungen wie den Calciumsulfatestrich, Zementestrich, Magnesiaestrich, Kunstharzestrich oder auch den Gussasphaltestrich. Auf diesen Estrich kommt dann der Fußbodenbelag, wie zum Beispiel Fliesen, Kork oder Holzboden oder aber auch PVC und Teppichböden. Würde man den Estrich und die Isolierung weglassen, wäre der Boden einfach zu kalt. Zudem wird dieser Aufbau auch aus Trittschall Gründen so gewählt. Unter dem Estrich kann auch noch die Verrohrung einer eventuellen Fußbodenheizung montiert sein. In Einzelfällen kann auch die Elektroinstallation dort untergebracht sein. Normalerweise ist diese aber in der Betondecke mit Hilfe von Leerrohren eingelegt worden. Fassen wir die möglichen Schichten nochmals zusammen:

 

  • Rohe Betondecke (20-30 cm stark mit Stahlbetoneinlage)
  • Installation der Heizungsrohre
  • Installation der Wasserleitungen
  • Eventuelle Stromkabel in Leerrohren
  • Styroporschicht / Isolierschicht (ca. 20 cm dick)
  • Eventuelle Fußbodenheizungsrohre
  • Folie PU / PVC
  • Schaumstoff Randstreifen
  • Estrich / Fließestrich / Heißasphalt usw. ca. 5 cm
  • Je nach Art des Estrichs gibt es eine Mindestdicke, welche bei rund 2 cm anfängt
  • Zementestrich sollte mindestens 45 mm stark sein

 

Problem des Estrichaufbaus

Hat man diesen Aufbau verinnerlicht, dann stellt man schnell auch die Probleme fest. Durch die quasi schwimmende Lagerung des Estrichs indem dieser keine Verbindung zur festen Wand oder aber auch mit dem direkten Betonboden hat, entsteht auch das Problem der Tragfähigkeit. Zudem kommt auch ein eher nachgebender Unterbau dazu. Styropor ist vor allem wenn es nicht sauber verlegt wird und nicht abgelagert ist sehr nachgiebig.

 

Merke: Die Druckfestigkeit von Styropor (XPS, EPS) oder Styrodur wird in N/mm² angegeben.

 

Sicherlich hat der eine oder andere im Badezimmer, WC oder überall da wo Fliesen verlegt wurden, gerissene Silikonfugen feststellen können. Dies kommt von einer Setzung des Fußbodens. Vor allem in einigen Jahren kann sich der Estrich etwas setzen. Dies ist vor allem im Randbereich verstärkt festzustellen. Auch in diesem Bereich ist die Belastbarkeit eher geringer, da keine Flächenbelastung, sondern eher eine Punktbelastung besteht. Man kann dies mit dem nachgeben einer Eisfläche vergleichen. Dort sind auch die Randbereiche eher gefährdet.

 

Merke: Estrich ist am Rand instabiler

 

Sonderfälle Holzdecken, alte Häuser und Co

Natürlich gibt es noch viele andere Arten des Fußbodenaufbaus. Dennoch scheint die oben beschrieben Methode die wohl am verbreitetsten zu sein.

In Fertighäusern wird heute aber auch mit Trockenstoffe gearbeitet, um die Trocknungszeit des Estrichs zu vermeiden. Dazu bieten sich verschiedene Plattensysteme an, welche als Aufbau des Fußbodens dienen. Diese stellen neben dem Trittschall Schutz auch eine Dämmung dar. Dazu gibt es Estrich Gipsfaserplatten und weitere Werkstoffe. Auch dort gibt es allerdings Probleme mit der Übertragung des Gewichtes.

Eine weitere Form des Fußbodens und der Decke sind Holzdecken, welche meist auch Holzbalkendecken genannt werden. Hier werden auf einer Holzbalkenkonstruktion meist eine Isolierschicht und dann auch eine trockene Schicht aus Platten verlegt. Natürlich herrschen hier andere Bedingungen wie auf einem Estrich oder direkt auf einer massiven Betondecke.

Tragfähigkeit Holz

Was kann eine Decke denn an Gewicht aushalten?

Die Belastbarkeit einer Decke wird in Kilogramm pro Quadratmeter oder kurz kg/m² angegeben. Deshalb ist die Belastbarkeit immer auf einen Quadratmeter ausgelegt und wir müssen dies dann auf die Fläche des Aquariums umrechnen.

Bei der Festlegung von generellen Werten muss man vorsichtig sein, denn dies hängt von vielen Faktoren ab. Wie bereits oben beschrieben von der Bauweise der Decke. Aber auch das Baujahr kann entscheidend sein. Zudem auch noch der genaue Aufstellungsort. Dennoch gibt es in der DIN 18560, welches die Estriche im Bauwesen genauer beschreibt einige Aussagen zu den Belastungsklassen bzw. Beanspruchungsklassen. Natürlich hängen diese Werte stark von der Dicke der Estrichschicht ab. Hier heißt es zu beachten, dass der Estrich nicht überall gleich dick ist und meist nur von einer durchschnittlichen Dicke ausgegangen werden kann. Mit dem Estrich werden auch die Unebenheiten des Bodens ausgeglichen.

 

Richtwert laut Norm: Bei einer Flächenlast (Gleichmäßige Verteilung der Last) kann man von rund 250 bis 300 kg pro Quadratmeter ausgegangen werden.

Achtung: Wenn sie unsicher sind wie ihr Fußbodenaufbau genau aussieht raten wir immer einen Fachmann (Statiker, Zimmermann) aufzusuchen.

 

Was wiegt ein komplettes Aquarium?

Hier möchten wir auf einen Artikel verweisen, welcher einem genau das Gewicht des Aquariums berechnet. In unserem Berechnungstool zum Aquarium Gewicht, wird nicht nur das reine Becken berücksichtigt, sondern auch noch die Einrichtungsgegenstände und was alles sonst noch dazu gehört. Auch das Glas und der Unterschrank wiegt einiges.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass selbst ein kleineres Aquarium mit 200 Liter Fassungsvermögen schnell mal mehr als 300 kg zusammenkommen. Hier nochmal in Kurzform was man alles eingerechnet sollte:

 

 

 

Beispiel Berechnung mit einem 200 Liter Aquarium

Nun möchten wir mal ein Beispiel berechnen mit einem 200 Liter Aquarium, welches rund 300 kg wiegt. Die Grundfläche beträgt meist 100 x 50 cm was in Quadratmeter 0,5 m² entspricht. Nimmt man die 300 kg Belastbarkeit des oben genannten Richtwertes, wäre dies auf einen halben Quadratmeter 150 kg Belastbarkeit. Somit hätte man bei dem 200 Liter Becken schon seine Probleme.

 

Wie kann ich die Belastung / Belastbarkeit des Fußbodens erhöhen?

Natürlich gibt es auch einige Faktoren / Methoden wie man die Belastbarkeit des Fußbodens und Estrich erhöhen kann.

 

Methode 1: Was ist für ein Bodenbelag darauf verbaut?

Hat man auf dem Estrich Fliesenboden dann erhöht sich die Belastbarkeit enorm. Hier spielt es noch eine Rolle wie groß und wie stark die Fliesen sind. Bei großen Fliesen wird die Gewichtsbelastung wesentlich besser verteilt.

 

Methode 2: Für eine Gewichtsverteilung auf die Fläche achten

Hat der Aquariumunterschrank noch spezielle Füße montiert, dann sollte man auf diese verzichten, denn damit kommt es zu einer Punktbelastung. Um das Gewicht besser zu verteilen, empfiehlt es sich unter das Aquarium eine dicke Küchenarbeitsplatte zu legen. Somit reduziert sich die eigentliche Belastung auf 50 Prozent. En guter und einfacher Trick um das Gewicht besser zu verteilen

 

Methode 3: Verbindung zum Rohfußboden schaffen

Die Traglast des Rohfußboden, also der Betondecke mit seinen Stahleinlagen, ist meist groß genug und besitzt vor allem im Randbereich noch jede Menge Reserven. Schafft man deshalb eine direkte Verbindung zum Rohfußboden, hat man mit dem Gewicht keine Probleme. Natürlich wird sich dies in einer Mietwohnung nicht so einfach durchführen lassen.

Dazu sind größere Bohrungen (Kernbohrungen) notwendig, welche durch den Estrich und die Isolierung gehen. Diese werden dann ausgegossen mit Beton. Somit entsteht eine feste Verbindung. Hier sollte sie allerdings auf den Fachmann zurückgreifen, denn es gibt auch einige Risiken. Denken sie mal an Wasser oder Heizungsrohre oder aber auch an Stromleitungen.

 

Methode 4: Verbindung zur Wand schaffen

Natürlich kann man die Belastbarkeit auch damit erhöhen, dass man den Strich mit der Wand verbindet. Somit erhöht sich vor allem im Randbereich die Belastbarkeit enorm.

Aquarium Versicherung

Was kann passieren, wenn der Fußboden nachgibt?

Hat man die oben erwähnten Berechnungen und Methoden beachtet, sollte es keine Probleme mit der Belastbarkeit und Statik für das Aquarium mehr geben.

Sollte jedoch der Fußbodenaufbau / Estrich doch nachgebe, dann hat man ein großes Problem. Meist verzieht sich dann das Aquarium und es kommt zu einer Kettenreaktion. Das Becken kann reißen und schnell können mehrere hundert Liter Wasser sich in der ganzen Wohnung verteilen. Das Wasser bahnt sich seinen Weg und fließt immer zum tiefsten Punkt. Was das in einem mehrstöckigen Haus bedeutet, wollen wir hier nicht weiter ausführen.

Auch was den Versicherungsschutz angeht wird man hier Probleme bekommen. Eine spezielle Versicherung zu den Aquarien gibt es nicht und ob die Wasser oder Hausratversicherung hier bezahlt scheint fraglich zu sein.

Deshalb sollte man sich bereits vorab, genau informieren und die Tragfähigkeit / Belastbarkeit des Fußbodens prüfen.

 

 

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